Synthetisches Gas aus grünem Strom

Wie lässt sich der Strom aus Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft in großem Stil speichern? Wie kann man ihn dann zum Heizen von Wohnungen, im Verkehr und in der Industrie nutzen? Power-to-Gas ist eine Antwort: Aus klimafreundlichem Strom und Wasser lässt sich synthetisches Gas gewinnen.

Quelle: Getty Images

Dringend gesucht: Ersatz für fossile Energiequellen.

Die Vereinten Nationen haben den Handlungsbedarf erkannt: Sie wollen die Erderwärmung in diesem Jahrhundert, verglichen mit der Temperatur vor der Industrialisierung, auf weniger als 2 Grad Celsius beschränken. Dazu soll der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 nicht weiter steigen. Deutschland und andere Industrienationen sind hier in besonderer Verantwortung gegenüber weniger entwickelten Volkswirtschaften und haben sich ambitionierte nationale CO2-Reduktionsziele gesetzt.

Auf der UN-Klimakonferenz von Paris im Dezember 2015 einigten sich 196 Staaten auf ein Abkommen – den Weltklimavertrag. Als großer Durchbruch galt, dass erstmals auch China, Indien und die USA zustimmten. Nach und nach bestätigen die Staaten das Abkommen und legen nationale Maßnahmenpakete und Klimaschutzziele fest. Der Weltklimavertrag trat im November 2016 in Kraft.

Die UN-Klimakonferenz von Paris: 196 Staaten einigten sich, gemeinsam gegen die Erderwärmung vorzugehen. Quelle: UNFCCC / Hajue Staudt

Ein wichtiger Baustein, um diese Ziele zu erreichen, ist der weitgehende Verzicht auf fossile Energieträger in der Stromproduktion, im Verkehr und im Bereich der Wärme-/Kälteversorgung. Dabei ergeben sich zahlreiche Herausforderungen:

  • Wie lässt sich der Strom aus erneuerbaren Quellen speichern?
  • Mit welcher Energie kann der Fernverkehr auf der Straße, auf dem Wasser und in der Luft künftig angetrieben werden?
  • Wie lassen sich die Investitionen in die Infrastruktur gering halten?

Aus dem klimaneutralen Strom lassen sich künstliches Gas und in weiteren Verfahrensschritten sogar flüssige Kraftstoffe herstellen. Damit sind die Herausforderungen zu bewältigen. In Deutschland arbeiten bereits die ersten Anlagen, die das leisten und die uns unseren Zielen bei der Einsparung von C02 näher bringen.

Power-to-X: Flexible Energieträger aus erneuerbarem Strom

Durch die Power-to-Gas-Technologie lässt sich ein künstlicher, klimaneutraler Ersatz für Öl, Erdgas oder Kohle herstellen. Dazu wird erneuerbarer Strom in einen Elektrolyseur geleitet. In diesem wird mit Strom Wasser (H2O) in brennbaren Wasserstoff (H) und in Sauerstoff (O) aufgespalten. Der Wasserstoff lässt sich gut in Tanks speichern und ist dann eine Alternative zu Batterien. Industriebetriebe oder beispielsweise Fahrzeuge mit Brennstoffzellen können den Wasserstoff schon heute verwenden.

Die Elektrolyse: Ausgangspunkt für viele neue Energieprodukte

Heute wird der meiste Strom noch konventionell erzeugt. Strom aus erneuerbaren Energiequellen gewinnt jedoch an Bedeutung. Der Strom wird in der Regel direkt von Industrie und Haushalten verbraucht. Eine Verbindung zu flüssigen und gasförmigen Kraftstoffen existiert nicht.

Der erneuerbare Strom gewinnt an Bedeutung. Mittels Elektrolyse wird aus Strom Wasserstoff erzeugt. Dieser Wasserstoff dient als Energiespeicher, kann beispielsweise von Brennstoffzellen genutzt und in begrenztem Umfang in das Gasnetz eingespeist werden. Damit findet eine Verbindung aus erneuerbarem Strom und konventionellen Kraftstoffen statt.

Mit klimafreundlichem Strom wächst die Bedeutung weiterer Stromverbraucher wie Verkehr und Wärmeerzeugung. Aber auch Speicherkapazitäten müssen wachsen, um Schwankungen in der Stromerzeugung zu puffern. Mit dem neuen Verfahrensschritt der Methanisierung wird synthetisches Erdgas aus dem Wasserstoff erzeugt und kann unbeschränkt in das Gasnetz eingespeist werden.

In einem weiteren Schritt werden aus dem Methan flüssige Kraftstoffe erzeugt. So können künftig Schiffe oder mobile Arbeitsmaschinen „Sonnenenergie“ tanken. Die synthetischen Kraftstoffe lassen sich in ihrem Emissionsverhalten optimieren und treiben klimaneutral und schadstoffarm Verbrennungsmotoren an.

Allerdings stellt der Umgang mit Wasserstoff hohe Ansprüche an die Sicherheit – und die Einsatzmöglichkeiten sind noch recht beschränkt. Verbindet man aber in weiteren chemischen Prozessen den Wasserstoff mit Kohlenstoff, entsteht Methan, das nahezu dieselben Eigenschaften wie herkömmliches Erdgas hat. Der Kohlenstoff kann dabei aus Industrieabgasen oder sogar aus der Umgebungsluft entnommen werden. Man spricht deshalb auch von Kohlenstoff-Recycling.

In weiteren Verfahrensschritten kann man aus dem Methan flüssige Kraftstoffe (Power-to-Liquid), Kunststoffe oder Chemikalien herstellen. All diese Verfahren lassen sich unter dem Begriff Power-to-X zusammenfassen.

Energieversorger produzieren klimaneutrales Gas aus erneuerbarem Strom

Das Prinzip der Elektrolyse zur Gewinnung von Wasserstoff wurde zuerst in der chemischen Industrie angewendet. Die Energiewirtschaft entwickelt Power-to-Gas weiter, um größere Mengen synthetischen klimaneutralen Gases herzustellen. Die Stadtwerke Mainz zum Beispiel erzeugten in den ersten neun Monaten ihres Elektrolyseurs im Energiepark Mainz etwa 18.000 Kilogramm Wasserstoff. Mit dieser Menge könnte ein Brennstoffzellenbus der Mainzer Verkehrsgesellschaft etwa sechs Jahre lang fahren – oder 25 Einfamilienhäuser könnten mehr als ein Jahr klimaneutral beheizt werden.

Der Energiepark Mainz stellt seit Juli 2015 Gas aus Windenergie her für die Kunden der Stadtwerke. Quelle: Stadtwerke Mainz, Siemens, Linde, Hochschule Rhein Main

„Um die Erderwärmung zu begrenzen, müssten weltweit 80 Prozent der Kohle-, 50 Prozent der Gas- und 30 Prozent der Ölreserven im Boden verbleiben.“

McGlade & Ekins (2015)University College London

Mit erneuerbarem Strom ohne zusätzliches CO2

Es ist der erneuerbare Strom, der Power-to-Gas erst klimafreundlich macht. Denn wenn die Energie aus Sonne, Wind, nachwachsenden Pflanzenstoffen oder aus dem Wasserkreislauf stammt, dann müssen die CO2-Depots nicht angetastet werden, die in Erdöl und Erdgas gebunden sind.

Rund ein Drittel der deutschen Stromproduktion stammt aus Erneuerbare-Energien-Anlagen. Es zeichnet sich ab, das Ziel der Bundesregierung von bis zu 45 Prozent im Jahr 2025 wird erreichbar sein.

Erneuerbare wachsen und befeuern die Herstellerindustrien

Ambitionierte und verbindliche politische Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien bringen nicht nur die Energiewende voran. Sie schaffen Arbeitsplätze und spornen die Hersteller von Erzeugungsanlagen zu Kosteneffizienz und Innovationen an.

Dreiklang deutscher Energiepolitik

Eine umweltfreundliche, kostengünstige und sichere Energieversorgung: Das ist der Dreiklang, entlang dessen die Politik die deutsche Energiewende entwickelt. Mit einem 10-Punkte-Plan von energiepolitischen Maßnahmen und Gesetzesvorhaben arbeitet die Bundesregierung an ihren Zielen.

Die Rahmenbedingungen für Power-to-Gas sind abhängig von ganzen sechs dieser zehn Punkte – nämlich von jenen, die zum Komplex der Sektorkopplung gehören. Entsprechend unsicher und kompliziert ist die Risikoabschätzung für Investoren, die eine Power-to-Gas-Anlage finanzieren möchten.

Mit dieser Agenda konzertiert und synchronisiert die Bundesregierung die zentralen Energiewendevorhaben. Darin enthalten sind Regelungen zu folgenden Punkten:
1) Erneuerbare Energien, EEG*
2) Europäischer Klima- und Energierahmen
3) Reform europäischer Emissionshandel
4) Strommarktdesign*
5) Effizienzstrategie*
6) Gebäudestrategie*
7) Übertragungsnetze*
8) Verteilnetze*
9) Monitoring
10) Anhörungen der Zivilgesellschaft in der Energiewende-Plattform
*relevant für Power-to-Gas

Energie tritt in unterschiedlicher Form auf: als Elektrizität, Wärme/Kälte oder als kinetische Kraft (Bewegung, Druck etc.). Entsprechend lässt sich die Energiewirtschaft in drei Sektoren unterteilen: Strommarkt, Wärmemarkt und Verkehr. Sektorkopplung bezeichnet die gemeinsame Optimierung aller Sektoren, indem man sie miteinander verbindet. Erneuerbar erzeugter Strom soll mit der Sektorkopplung in der Wärmeversorgung, im Verkehr und in den Produktionsprozessen der Industrie zum Einsatz kommen.

Der Umbau des Energiesystems: ambitionierte Ziele, hohe Qualität

Die Energiewende braucht ehrgeizige Zielsetzungen in Bezug auf den Umbau des Energiesystems. Und der ist nötig, damit Deutschlands Industrie weiterhin auf die exzellente Qualität und Verlässlichkeit der Stromversorgung bauen kann.

12,3

Minuten

Durchschnittliche Dauer eines Stromausfalls in Deutschland. Im internationalen Vergleich ist das höchste Versorgungssicherheit. (CEER)

80-95

Prozent

Reduktionsziel für Treibhausgase bis 2050 (BMWi)

55-60

Prozent

Ausbauziel für erneuerbare Energien bis 2035 (BMWi)

Strom wandeln: Der Wirkungsgrad ist politisch relevant

In der Elektrolyse wird der Energiegehalt von Strom mit einem Wirkungsgrad von heute rund 80 Prozent umgewandelt. Dr. Dorothee Mühl vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ist es nun wichtig, dass die wertvolle Ressource Strom auf besonders energieeffiziente Weise – also mit möglichst wenig Umwandlungsverlust – genutzt wird.

In der Elektrolyse wird der Energiegehalt von Strom mit einem Wirkungsgrad von heute rund 80 Prozent umgewandelt. Das aus dem Strom gewonnene Wasserstoff-Gas hat also den 0,8-fachen Energiegehalt. Nehmen wir an, der Wasserstoff würde dann in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage mit einem Wärme-Wirkungsgrad von 90 Prozent verbrannt. 80 Prozent mal 90 Prozent ergibt 72 Prozent – die Anfangsenergie des Stroms wäre somit zu 72 Prozent in Wärmeenergie gewandelt worden. Die restlichen 28 Prozent der Energie wären durch den Prozess der Umwandlung selbst verbraucht worden.

„Vorrangig sollen zur Sektorkopplung solche Technologien zum Einsatz kommen, die mit wenig erneuerbarem Strom möglichst viel Brennstoff ersetzen. Etwa hocheffizient einsetzbare Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge“, sagt Dr. Dorothee Mühl.

 

Überblick Technologien zur Sektorkopplung

Power-to-Gas-Technologien verbinden als einzige alle drei Anwendungsfelder. Quelle: Fraunhofer ISI

Kurz-Interview: Technologieförderung unter dem Primat der Energieeffizienz

VDMA: Frau Dr. Mühl, wie passt die Power-to-Gas-Technologie in die Energiepolitik der Bundesregierung?

Dr. Mühl: Wir wollen primär den effizienten Einsatz von erneuerbar erzeugtem Strom in anderen Sektoren voranbringen. Die Sektorkopplung muss aber im Kontext von Energieeffizienz und direkter Nutzung erneuerbarer Energien betrachtet werden. Power-to-Gas ist eine zusätzliche Option, um andere Sektoren wie den Wärmemarkt zu dekarbonisieren.

VDMA: Ein Vorteil von Power-to-Gas ist, dass so erneuerbarer Strom als Gas gespeichert werden kann. Macht das die Technologie relevant für die Energiewende?

Dr. Mühl: Die Optimierung des Gesamtsystems steht im Fokus. Es ist wichtig, dass die Sektorkopplung zusätzliche Flexibilitätspotenziale für den Strommarkt erschließt, um die fluktuierende Erzeugung bei Wind und Sonne auszugleichen. Dies kann die Gesamtkosten der Energiewende senken. Es sollen vorrangig energieeffiziente Technologien zum Einsatz kommen, die mit erneuerbarem Strom möglichst viele fossile Brennstoff ersetzen, zum Beispiel hocheffizient einsetzbare Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge.

VDMA: Wann sehen Sie die Zeit für Power-to-Gas-Anlagen angebrochen?

Dr. Mühl: Mit relativ hohen Anteilen erneuerbaren Energien wird diese Systemlösung immer wichtiger und auch kosteneffizienter. Davor stehen andere Bausteine der Flexibilisierung im Vordergrund, etwa der Netzausbau oder die Organisation eines angebotsorientierten Verbrauchs durch sogenanntes Lastmanagement.

Quelle: BMWi

VDMA: Welche Vorbereitungen treffen Sie in der Zwischenzeit für Power-to-Gas und andere Speicher?

Dr. Mühl: Wir achten darauf, dass die Preise für Energieträger die durch sie verursachten volkswirtschaftlichen Kosten reflektieren. Damit sich die kosteneffizientesten Dekarbonisierungstechnologien durchsetzen können, müssen gleiche Wettbewerbsbedingungen hergestellt werden. Das heißt für uns: Steuern, Abgaben und Entgelte müssen auf den Prüfstand.

Dr. Dorothee Mühl

Ministerialdirigentin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Die Leiterin der Unterabteilung Strom der Abteilung Energiepolitik – Strom und Netze beschäftigt sich mit dem gesetzlichen Rahmen der Sektorkopplung. Sie hat in Deutschland und den USA Jura und Verwaltungswissenschaften studiert. Nach Tätigkeit in der Rechtsabteilung einer Bank arbeitet sie in verschiedenen Funktionen im BMWi.

Kurz-Interview: Technologieförderung unter dem Primat der Energieeffizienz

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Energiemanagement: Das nachhaltige Plus für die Industrie

In verpflichtenden Energieaudits verlangt die Bundesregierung von Unternehmen, Rechenschaft über ihren Umgang mit Energie abzulegen. Sogenannte Energiemanager überwachen deshalb die Energiebilanzen der deutschen Industrie und sorgen für eine sichere und effiziente Nutzung von Strom, Wärme und mechanischer Energie.

Zur Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie und der deutschen Energieeinsparziele sind große Unternehmen seit dem 5. Dezember 2015 verpflichtet, die Behörden umfassend über ihre Energieeinsparpotenziale zu informieren. Die sogenannten Energieaudits sind nach bestimmten Regeln und danach alle vier Jahre durchzuführen, um systematisch Verbesserungschancen in betrieblichen Energieversorgungssystemen zu identifizieren und wirtschaftlich sinnvoll zu erschließen.

Was macht ein Energiemanager?

Matthias Hippeli von ABB in Mannheim über Energieeffizienz-Netzwerke, digitalisierte Energieströme und warum es in seinem Job „nicht wie im wilden Westen“ zugehen sollte.

Speicherbares Gas puffert zwischen Erzeugung und Verbrauch

Power-to-Gas liefert eine technologische Antwort auf das Problem, dass die Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne nicht immer und nicht überall mit dem Stromverbrauch übereinstimmt. Wenn der Strom nicht vom Verbraucher abgenommen wird, kann er aus physikalischen Gründen nicht im Stromnetz verbleiben. Im ungünstigsten Fall müssen die Energieanlagen sogar abgeregelt werden, um Netzüberlastungen vorzubeugen.

Für den Energieträger Gas hingegen können die Leitungen des gut ausgebauten Gasnetzes als Speicher fungieren. Zusätzlich kann das synthetische Gas in Tanks und natürlichen Lagerkavernen unter der Erde auf Vorrat gelegt werden.

Der Lückenfüller

Strom ist aus pysikalischen Gründen nicht im Stromnetz speicherbar. Darum steht das Forschungszentrum Jülich vor der Aufgabe, einen Speicher als Lückenfüller zwischen Stromproduktion und Energieverbrauch zu finden.

Aus grünem Strom wird Kraftstoff für Motoren

Durch Power-to-Gas und Power-to-Liquid lassen sich fossile Kraftstoffe wie Benzin und Diesel ersetzen. Ein wichtiger Punkt zum Erreichen der Klimaziele und ein wichtiger Punkt, um auch künftig wichtige Aufgaben im Transport, in der Land- und der Bauwirtschaft zu erledigen. Denn nicht immer sind Ladeinfrastruktur und ausreichende Stromspeicherkapazitäten vorhanden.

Verbrennungsmotoren sorgen für Antrieb auch in entlegenen Gebieten

Mobile Maschinen, Schiffe oder Bahnen müssen oft abseits von Strominfrastruktur und mit hoher Leistung angetrieben werden. Synthetische Kraftstoffe sind flexible, saubere und klimafreundliche Energieträger für diese Anwendungen.

Klimaziele lassen sich nur mit Power-to-X erreichen

Lars Mönch vom Umweltbundesamt bekräftigt im Interview die Notwendigkeit, den Verkehr komplett auf erneuerbare Energieträger umzustellen.

„Es gibt Bereiche im Verkehr, die nach heutigem Stand der Technik nicht elektrifiziert werden können. Für diese Verkehrsträger, zum Beispiel Langstrecken-LKW, Seeverkehr oder auch Flugzeuge, brauchen wir gasförmige oder flüssige Kraftstoffe.“

Lars Mönch

Umweltbundesamt, Fachgebiet Schadstoffminderung und Energieeinsparung im Verkehr

Er leitet im Umweltbundesamt das Fachgebiet Schadstoffminderung und Energieeinsparung im Verkehr. Im Fokus sind die technischen Minderungsmöglichkeiten in allen Verkehrssektoren. Dies umfasst Straßenverkehr, Fluss- und Seeschifffahrt, Luftverkehr, aber auch Non-Road-Anwendungen wie mobile Arbeitsmaschinen.

Designer-Kraftstoffe für optimalen Klimaschutz

Nicht genug, dass Power-to-X die Basis für den klimaschonenden Ersatz von fossilen Kraftstoffen bildet und damit die Energiewende im Wärme- und Mobilitätssektor vorantreibt. Zusätzlich lässt sich synthetischer Kraftstoff auch noch so designen, dass weniger schädliche Abgasemissionen anfallen. Wolfgang Maus, anerkannter Fachmann für Abgasnachbehandlungstechnologien, sieht in synthetischen Kraftstoffen den Schlüssel für Klima- und Umweltschutz bei gleichzeitiger Nutzung vorhandener Infrastruktur und Antriebstechnologien.

Synthetische Kraftstoffe: Die Chance für Klimaschutz, Umweltschutz und Mobilität

Wolfgang Maus, WM Engineering & Consulting GmbH

Nach meiner Ansicht müssen zukünftige mobile Energieträger fünf zentrale Nachhaltigkeitskriterien erfüllen:

  • CO2-Neutralität
  • Nachhaltige, unbegrenzte Verfügbarkeit der Energie
  • Minimale Umwelteinflüsse, geringe Emissionen
  • Hohe Wirtschaftlichkeit
  • Hohe Funktionalität

Diese Kriterien werden bei dem hier vorgestellten Power-to-X-Konzept erfüllt. Strom aus erneuerbaren Quellen steht nahezu unbegrenzt zur Verfügung und wird ohne CO2-Emissionen produziert. Mit diesem Strom lässt sich Wasserstoff erzeugen, der in weiteren Verfahrensschritten mit Kohlenstoff zu Methan verbunden wird. Dieser Kohlenstoff kann aus dem CO2 im Abgas industrieller Quellen – wie der Zementindustrie, der Stromerzeugung oder der Stahlindustrie – stammen. Das CO2 aus Industrieabgasen wird sozusagen recycelt und so zum Rohstoff für die Erzeugung synthetischer Kraftstoffe. Es ist sogar vorstellbar, künftig der Umgebungsluft das CO2 für die Herstellung von Methan zu entziehen.

In weiteren Verfahrensschritten wird aus dem Methan ein flüssiger Kraftstoff. Unter der Abkürzung OME ist ein solcher synthetischer Ersatz für fossile Kraftstoffe bekannt und schon jetzt erhältlich. Diese OME-Kraftstoffe verbrennen in herkömmlichen Dieselmotoren schadstoffarm. Mit modernster Abgasnachbehandlungstechnologie sollte man in absehbarer Zukunft die städtische Umgebungsluft mit Verbrennungsmotoren in „Sub-Zero-Vehicles“ sogar reinigen können – ein Vorteil, den andere Technologien nicht bieten.

Mit optimierten Herstellungsprozessen für synthetische Kraftstoffe und Effizienzsteigerungen bei der Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen werden die neuen Kraftstoffe auch preislich attraktiv – erst recht, wenn man die Klima- und Umweltvorteile einbezieht. Mit gasförmigen und flüssigen synthetischen Kraftstoffen lässt sich einfach die vorhandene Infrastruktur nutzen. Lagerung, Distribution und Betankung erfolgen wie bisher. Fahrzeuge und mobile Arbeitsmaschinen bleiben unabhängig von der Steckdose.

Die Elektrifizierung stößt bei vielen Anwendungen an Grenzen. Mit Power-to-Gas und Power-to-Liquid werden notwendige klimaneutrale Alternativen zu elektrischen Antrieben erhalten.

Wolfgang Maus

WM Engineering & Consulting GmbH

Nach dem Maschinenbaustudium sammelte Wolfgang Maus vielfältige Erfahrungen in der Energie- und Automobiltechnik. 1986 gründete er Emitec, Hersteller von Abgasnachbehandlungstechnologien. Bei seiner Pensionierung 2012 wurde Emitec, mit damals über 1.000 Mitarbeitern, von der Continental AG übernommen. Für den Vorstand der Continental AG ist er heute beratend tätig. Neben Aufsichtsratsmandaten beschäftigt er sich intensiv mit Zukunftsfragen der Motorenindustrie.

Synthetische Kraftstoffe: Die Chance für Klimaschutz, Umweltschutz und Mobilität

Wolfgang Maus, WM Engineering & Consulting GmbH
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Literaturhinweise

Hier erfahren Sie mehr zu den Schlagworten aus dem Themenbereich Power-to-Gas:

Energiepark Mainz

Das Projekt der Stadtwerke Mainz, der Hochschule RheinMain sowie von Siemens und Linde informiert über die konkrete Anwendung von Power-to-Gas in der Energiewirtschaft.

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Klimawandel

Der UN-Klimarat fasst in seiner Big-Picture-Reportage anschaulich zusammen, was gegen den Klimawandel zu unternehmen ist.

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Netze und Speicher in der Energiewende

Eine animierte Präsentation von Prof. Armin Schnettler (RWTH Aachen & Siemens) veranschaulicht das Energieszenario 2025.

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Integration in das Energiesystem

Das Umweltbundesamt (UBA) beleuchtet die Rolle von Power-to-X im Prozess hin zu einem treibhausgasneutralen System. Auf der UBA-Website finden sich zahlreiche Informationen zu dem Thema.

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Kraftstoffe aus CO2 und Wasser

Die Animation der Firma Emitec zeigt detailliert den technischen Prozess, wie Wasser und CO2 zu Kraftstoffen werden.

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Flexibilisierter Strommarkt

Das Bundeswirtschaftsministerium beschreibt im Weißbuch „Ein Strommarkt für die Energiewende“, wie die Flexibilität in Erzeugung und Verbrauch hergestellt werden soll.

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Autoren

Es sind viele Sparten des Maschinen- und Anlagenbaus, die zentral an der Entstehung der Energiewende-Technologie Power-to-Gas beteiligt sind und die sich für deren Weiterentwicklung einsetzen. Von A wie Antriebstechnik bis W wie Windenergieanlage. Stellvertretend für sie alle seien hier die Autoren dieser Reportage und die inhaltlich verantwortlichen Organisationseinheiten des VDMA genannt.

 

Inhaltlich verantwortlich

VDMA Power Systems: Matthias Zelinger

Geschäftsführer und energiepolitischer Sprecher

Der Maschinenbau-Ingenieur (BA), ist seit 2015 Geschäftsführer des Fachverbandes Power Systems sowie energiepolitischer Sprecher des VDMA und seit Oktober 2015 zusätzlich stellvertretender Geschäftsführer der Forschungsvereinigung Verbrennungskraftmaschinen, FVV. Seit Juni 2016 ist er Board-Mitglied des Verbandes WindEurope.

Peter Müller-Baum

Geschäftsführer VDMA Motoren und Systeme

Der Diplom- und Wirtschaftsingenieur ist seit 2014 Geschäftsführer des Fachverbandes Motoren und Systeme. Bereits seit 2013 verantwortet er zudem den „International Council on Combustion Engines“ (CIMAC) mit Sitz in Frankfurt. Seit 2005 ist er in verschiedenen Organisationseinheiten für den VDMA tätig.

VDMA Energie: Dr. Carola Kantz

Geschäftsführerin des VDMA Forums Energie

Sie koordiniert die Verbandsaktivitäten zum Bereich Energie und vertritt die energiepolitischen Interessen des Maschinen- und Anlagenbaus. Von 2009 bis 2013 arbeitete sie als Senior Beraterin bei der IFOK GmbH zum Thema Energie. Sie promovierte an der London School of Economics und lehrte dort Umweltpolitik und Internationale Politische Ökonomie.

VDMA Photovoltaik Produktionsmittel: Dr. Jutta Trube

Leiterin VDMA Arbeitsgemeinschaft Photovoltaik Produktionsmittel

Dr. Trube leitet seit Dezember 2015 die AG Photovoltaik-Produktionsmittel. Vorher war sie Direktorin für Neue Technologien im Maschinenbau. Die Märkte betrafen u.a. Photovoltaik, Architekturglas, Speichertechnologie. Sie studierte Physik an der Georg-August-Universität in Göttingen und promovierte in Elektrotechnik in Berlin.

Redaktion

Catherine Diethelm

Referentin Öffentlichkeitsarbeit, VDMA Power Systems

Catherine Diethelm macht seit 2014 die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Themenbereich der Energieanlagen – also von Windenergieanlagen über Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen bis zu Wasserpumpspeichern und Dampfturbinen. Sie studierte Publizistik und Soziologie in Zürich und arbeitete u. a. in der Unternehmenskommunikation der Windenergiemesse HUSUM Wind.

Jens Slama

Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaft, VDMA Motoren und Systeme

Nach dem Studium der Verlagswirtschaft begann der Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) als Projektleiter im VDMA Verlag. Seit 2007 ist er Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaft bei VDMA Motoren und Systeme. In dem Fachverband betreut er auch Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes im Seeverkehr.