Rohstoffe – zu kostbar für Verschwendung

Die Weltbevölkerung scheint ohne Grenzen zu wachsen. Aber die meisten verfügbaren Rohstoffe sind endlich. Sie effizient einzusetzen, ist eine Überlebensfrage für bald neun Milliarden Menschen. Die intelligente Maschinentechnik hilft, die richtigen Rohstoffe optimal zu nutzen, Material einzusparen und verbrauchtes Material wiederzuverwerten.

Quelle: istock/xijian

Ein kniffliger Auftrag

Mert Ilter ist skeptisch. Der 21-jährige Bachelor-Student aus Frankfurt am Main soll im Rahmen seines dualen Studiums ein Referat über den effizienten Einsatz von Rohstoffen im täglichen Leben verfassen. Und zwar von solchen, die nicht zur Energieerzeugung, sondern die stofflich genutzt werden, d. h. zur Herstellung von Waren. Wertvolle Rohstoffe, vor allem Metalle und Kunststoffe, aber auch Holz.

Stoffliche Nutzung bedeutet, dass die Ressourcen als Rohstoffe für die Industrie eingesetzt werden. In der Regel werden sie zuerst in simple geometrische Formen gebracht (Halbzeuge), die schließlich zu Endprodukten verarbeitet werden. Zu den abiotischen Rohstoffen zählen fossile Rohstoffe, Erze, Industriemineralien, Steine, Erden und Baumineralien. Holz oder Naturfasern und sämtliche Stoffe organischer Herkunft, die nicht fossilen Ursprungs sind, fallen unter den Oberbegriff der nachwachsenden Rohstoffe.

Energierohstoffe werden dagegen zur Strom- und Wärmegewinnung oder als Treibstoffe verbrannt.

Viele natürliche Rohstoffe wie Öl, Gas oder Holz können sowohl stofflich als auch energetisch genutzt werden. Öl etwa entweder als Basis für Kunststoffe oder als Treibstoff.

Er soll herausfinden, wo und wie ein cleverer Einsatz dieser Materialien heute schon wertvolle Ressourcen schont, und seine Ergebnisse in einer Multimedia-Arbeit zusammenfassen. „Gehen Sie einfach hinaus auf die Straße und schauen Sie sich um“, hat sein Professor gesagt.

Aber wo anfangen? „Du machst ein duales Studium, du bist es gewohnt, praxisorientiert zu denken, also lass dir etwas einfallen“, sagt sich Mert. Schließlich sind ihm diese Rohstoffe durch seine Ausbildung ja längst bekannt. Zuversichtlich steckt er sein Smartphone in die Tasche und macht sich auf den Weg.

Mert Ilter absolviert ein duales Studium zum Bachelor of Arts in Business Administration an der Hessischen Berufsakademie in Frankfurt am Main und beim VDMA. Quelle: Team Uwe Nölke

Die neue Generation – Brettsperrholz

Brettsperrholz (BSP) oder Cross-Laminated Timber (CLT) ist eine Massivholzplatte, bei der mehrere Schichten kreuzweise verleimt werden. So entsteht aus länglichen Baumstämmen ein flächiges Bauprodukt – wie eine Betondecke, aber viel leichter. Das hat mehrere Vorteile: Die meist großformatigen Elemente eignen sich als Decken- und Dachbauteile. Sie können in jeder gewünschten Größe hergestellt werden. Sie quellen kaum auf, verformen sich fast nicht und können große Lasten tragen. Gut gedämmte Bauteilkonstruktionen mit sichtbaren Holzoberflächen steigern die Behaglichkeit. Die große Feuchte- und Wärmespeicherfähigkeit verbessert das Wohnraumklima.

Maßgeschneidert und ressourceneffizient

Bauelemente aus BSP können in modernen Produktionsanlagen sehr kosteneffizient in nahezu jedem individuell gewünschten Maß hergestellt werden. Tür- und Fensterausschnitte sowie Giebel werden bereits bei der Verleimung der einzelnen Holzschichten ausgespart. Je nach Form der Elemente können dadurch zwischen 10 und 20 Prozent Holzabfall und Klebstoff eingespart werden. Bei der flächigen Verleimung dieser Platten wird jede Kleberdüse separat angesteuert, damit die Ausschnitte nicht mit Kleber verschmutzt werden. Abschließend werden sie auf sogenannten Abbundanlagen millimetergenau und mit höchster Präzision in Form gebracht.

Neue Möglichkeiten für den ältesten Baustoff der Welt

BSP-Produkte haben seit den 1990er Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Eine hohe Verbreitung haben sie aber erst in den vergangenen Jahren erreicht, denn Brettsperrholz erweitert die Möglichkeiten des Baus in Bereichen, die bis dahin Materialien wie Beton oder Mauerwerk vorbehalten waren. So können BSP-Produkte heute auch in Windkrafttürmen und im Ingenieurholzbau eingesetzt werden.

Holz im Haus sieht nicht nur gut aus

Mert hat eine Idee. Auf dem Weg zur Hochschule kommt er regelmäßig an einer Baustelle vorbei. Dort soll eine neue Schule entstehen. Das Bemerkenswerte daran: Die Konstruktion ist komplett aus Holz. So wie es sonst nur Dachstühle sind. Warum macht sich ein Schulträger solche Mühe? Mert beschließt, hier mit seiner Recherche anzufangen.

Als Mert die Schule erreicht, wird gerade die Fassade angebracht. Mert fragt sich durch und steht schließlich dem Architekten gegenüber. „Warum hat sich der Bauträger für Holz entschieden?“, fragt er ihn. „Holz ist bei gleicher Tragfähigkeit wesentlich leichter als Stahl und hat fast die gleiche Druckfestigkeit wie Beton“, erklärt der Architekt. Und er zählt noch weitere Vorteile dieses pflanzlichen, nachwachsenden Baustoffs auf: Die Verarbeitung von Bäumen benötigt weit weniger fossile Energie als die Herstellung von Stahl, Beton oder gar Aluminium. Holz hat außerdem die höchste Tragfähigkeit von allen wärmedämmenden Materialien, und das geringe Eigengewicht ermöglicht den Transport in großen Mengen. So hat Mert Holz als Werkstoff noch nicht betrachtet. Er hört aufmerksam zu. Dann macht er noch ein paar Fotos von dem fast vollendeten Gebäude. Holz als effizienter Rohstoff für den Bau also.

„Wo spielt Holz als Rohstoff denn noch eine Rolle?“, will Mert wissen. „Schauen Sie sich mal in der Möbelindustrie um“, meint der Architekt und verabschiedet sich.

Die neue Generation – Brettsperrholz

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Holz ist ein vielseitiger Baustoff. Es ist belastbar wie Beton und hat die gleiche Tragfähigkeit wie Stahl. Quelle: Team Uwe Nölke
Mert interviewt den Architekten der aus Holz gebauten Schule. Quelle: Team Uwe Nölke

Weniger Holz in der Platte

Mert ist neugierig geworden. Wo kann er einen Möbelhersteller finden? Vom VDMA-Fachverband Holzbearbeitungsmaschinen bekommt er einen guten Tipp: „Informier dich mal etwas über Spanplatten“, sagt ein Mitarbeiter. „Da kannst du eine Menge über Holz als Werkstoff lernen.“ Eine passende Adresse hat er auch sofort zur Hand.

Kurz darauf sitzt Mert dem Niederlassungsleiter einer Firma gegenüber, die unter anderem auch mit Spanplatten handelt. „Was haben Spanplatten auf einmal mit Effizienz zu tun?“, will Mert wissen. „Die gibt es doch schon seit Jahrzehnten.“ „Richtig“, sagt der Experte. „Spanplatten ermöglichen einen viel höheren Verwertungsanteil als Massivholz, denn man nimmt dafür Holz von geringer Qualität und Abfälle aus der Sägeindustrie.“ Das will Mert genauer erklärt bekommen.

„Es gibt heute in der Produktion eine ganz neue Generation von Anlagen. Damit lassen sich viel hochwertigere Platten aus weniger Holz und auch mit weniger Leim herstellen. Wir sparen damit viele kostbare Ressourcen ein. Man kann auch Recyclingholz beimischen oder Platten sogar zu 100 Prozent aus recyceltem Material herstellen.“ Früher sei es nämlich nicht möglich gewesen, Platten in Möbelqualität aus Abfall herzustellen, da der Abfall mit Metallresten aus Beschlägen oder Nägeln verunreinigt war. „Heute kann man sogar schon Spanplatten aus Graspflanzen wie Reis, Zuckerrohr oder Bambus herstellen – auch das sind hervorragende, nachhaltige Werkstoffe“, erläutert der Niederlassungsleiter.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit hat sich heute in vielen Branchen durchgesetzt. Die Idee stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft: 1713 verwendete ihn der kursächsische Oberberghauptmann Carl von Carlowitz angesichts einer großen Holznot. Nach Carlowitz sollte jeweils nur so viel abgeholzt werden, wie in absehbarer Zeit nachwachsen kann. Nachhaltigkeit stellt also sicher, dass ein natürliches System langfristig erhalten bleibt.

Mit den heutigen Anlagen lassen sich viel hochwertigere Spanplatten aus weniger Holz und mit weniger Leim herstellen. Quelle: Team Uwe Nölke, Mit freundlicher Unterstützung der Becher KG, Maintal
Heute kann man sogar schon Spanplatten aus Graspflanzen wie Reis, Zuckerrohr oder Bambus herstellen. Quelle: Team Uwe Nölke, Mit freundlicher Unterstützung der Becher KG, Maintal

Nachhaltige Nutzung von Ölpalmholz

Ölpalmholz entsteht als Nebenprodukt der Palmölgewinnung in großen Mengen. Dieser nachwachsende Rohstoff könnte einer der Rohstoffe der Zukunft werden und kostbares Tropenholz ersetzen – wenn nicht bislang technische Herausforderungen potenzielle Nutzer abschrecken würden. Erst heute machen Technologien eine Nutzung möglich und wirtschaftlich interessant.

Im Überfluss vorhanden – aber schwierig im Umgang

Die weltweite Anbaufläche für Ölpalmen beträgt bereits heute über 20 Millionen Hektar – mit steigender Tendenz. Ölpalmplantagen werden ausschließlich wegen des Palmöls angelegt, welches vorrangig in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, zunehmend aber auch für Kosmetika, Chemiegrundstoffe und Treibstoffe nachgefragt wird. Nach 20 bis 25 Jahren sinken die Ölerträge auf ein unwirtschaftliches Niveau. Die Plantagen werden dann neu bepflanzt – pro Jahr durchschnittlich 0,8 Millionen Hektar. Hierdurch fällt die Ressource Ölpalmholz in großen Mengen an. Schätzungen ergeben weltweit zwischen 100 und 120 Millionen m³ Stammholz pro Jahr (hauptsächlich in Asien). Zum Vergleich: Der deutsche Holzeinschlag betrug im Jahr 2016 rund 52 Millionen m³.

Brachliegende Rohstoffe

Derzeit werden die gefällten Ölpalmen größtenteils der Verrottung überlassen, gelegentlich auch verbrannt. Eine Nutzung der Stämme könnte aber den existierenden Druck auf Naturwälder erheblich mindern und das hieraus entnommene Holz ersetzen. Da die Stämme eine extrem unterschiedliche Dichteverteilung und einen hohen Gehalt an Wasser, Silikaten, Zucker sowie Stärke haben, konnten sie bisher nicht stofflich verwertet werden. Denn stark abweichende Holzeigenschaften führen zu unterschiedlichen Anforderungen in Bearbeitung und Verwendung.

Produzieren im Einklang mit der Natur

Den fünf Kern-Partnerunternehmen des Netzwerks PalmwoodNet ist es im Rahmen eines mit Bundesmitteln geförderten Projektes gelungen, umfassende Lösungen für die nachhaltige Nutzung von Ölpalmholz unter technischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten zu erarbeiten. Dadurch wird die Herstellung von marktfähigen Produkten mit hoher Wertschöpfung aus diesem Material möglich, wie z. B. Ein- und Mehrschicht-Massivholzplatten, Tischlerplatten, Brettschichtholz oder Brettsperrholz (BSP). Das Projekt folgt damit folgenden Zielsetzungen: Ressourcenschonung, Tropenwalderhaltung, Klimaschutz, Arbeitsplatz- und Einkommensgenerierung und -sicherung in den Ressourcenländern und Erschließung neuer Absatzgebiete für Produkte aus Ölpalmholz.

Öl- und Holzlieferant in einem

Ölpalmplantagen sind rund um den Erdball auf Äquatorhöhe zu finden. Sie werden in großen Monokulturen angelegt, denen oft die natürliche Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zum Opfer fällt. Die Palmen sind nach 20 bis 25 Jahren für die Ölproduktion wertlos und werden in letzter Zeit zunehmend als Rohstoff für die Holzproduktion entdeckt.

Palmholz als nachwachsender Rohstoff der Zukunft

Mert will schon das Aufnahmegerät abschalten, da fügt der Niederlassungsleiter noch hinzu: „In Zukunft wird es noch ganz andere Möglichkeiten geben, Holz effizient zu nutzen. Ich sage nur: Palmholz. Aber da kann ich Ihnen wenig Informationen geben.“ Mert erinnert sich, dass auch der Architekt kurz davon gesprochen hatte. Er beschließt, ihn noch einmal zu besuchen.

Kurz vor Schichtende ist Mert wieder auf der Baustelle der Schule angekommen und trifft den Architekten dort noch an. „Palmholz fällt in großen Mengen auf Plantagen an, die rund um den Äquator angepflanzt werden, um Palmöl zu gewinnen“, erklärt dieser. „Die Plantagen sind ein lukratives Geschäft, für das die Betreiber leider häufig die Schädigung seltener Tier- und Pflanzenarten in Kauf nehmen. Nach etwa 20 Jahren lässt der Ertrag einer Ölpalme nach. Teils werden dann neue Plantagen angelegt. Oder die Bäume werden gefällt, um Platz für neue zu schaffen. Bislang ließ man das Holz meistens verrotten. Man kann es schlecht verbrennen – und es zu verarbeiten, ist erst recht schwierig. Einige Teile des Stamms sind sehr weich, andere extrem hart.“

„Und jetzt geht das doch?“, fragt Mert. „Ja, inzwischen gibt es Technologien, mit denen auch solches Holz verwertet werden kann“, sagt der Architekt. „Damit eröffnen sich große Einsatzmöglichkeiten. Palmholz ist ein Abfallprodukt, es gibt viel davon – und nun kann man es fast überall einsetzen.“ Dann fügt er hinzu: „So geht auch der Bedarf an zusätzlicher Fläche für die Plantagen zurück.“

Nachdenklich hört Mert zu. Palmholz kann also den Konsumdruck auf Naturwälder reduzieren – und gleichzeitig nimmt es ihnen an anderer Stelle den Lebensraum.

Nachhaltige Nutzung von Ölpalmholz

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Das Holz der Ölpalme ist sehr schwierig zu verarbeiten: Einige Bestandteile sind sehr weich, andere extrem hart. Quelle: PalmwoodNet

Ein zweites Leben

Sekundärrohstoffe sind Rohstoffe, die durch Recycling aus entsorgtem Material gewonnen werden. Sie sind vielseitig einsetzbar und deshalb in vielen Bereichen zu finden – in der Bauindustrie, im Verpackungsbereich, in der Elektroindustrie und vor allem im Automobilbau.

Wenn aus Joghurt-Bechern Parkbänke werden

Kunststoffe werden aus Erdöl hergestellt. Erdöl ist ein fossiler Rohstoff, dessen Vorkommen in absehbarer Zeit zur Neige gehen. Deshalb spielt die Wiederverwertung von Kunststoffen eine immer wichtigere Rolle. Bei der Verwendung von einer Tonne recyceltem Kunststoff spart man gegenüber dem Primärkunststoff 2,5 Tonnen Kohlendioxid (CO2) ein.

Essentiell für hochwertiges Recycling ist die Sortenreinheit der Abfälle. Diese wird bereits bei der Erfassung, d. h. bei der Sammlung, angestrebt. Dafür gibt es schon seit langem Erfassungssysteme wie die Gelbe Tonne bzw. den Gelben Sack. Da oftmals eine sortenreine Erfassung nicht möglich ist, liefert der Maschinen- und Anlagenbau innovative Techniken. Beispielsweise können mittels Sensorsortierung unterschiedliche Kunststoffarten unterschieden werden. Über Nicht-Eisen-Abscheider kann zudem wertvolles Aluminium aus dem Müll aussortiert werden. Gerade im Autobereich steigt der Anteil an recyceltem Kunststoff kontinuierlich. Bei einigen Modellen von Opel beispielsweise bestehen heute schon 170 Komponenten aus Rezyklaten.

Aluminium – recycelt ökologischer als neu

Um aus dem Rohstoff, dem Aluminiumerz Bauxit, das Leichtmetall Aluminium herzustellen, braucht man gewaltige Mengen an Energie. Mit der Energie, die zur Erzeugung eines einzigen Kilogramms Aluminium benötigt wird, könnte man rund 15 Stunden lang staubsaugen. Bei der Herstellung von Aluminium aus Aluminiumschrott hingegen können bis zu 95 Prozent der für Primäraluminium nötigen Energiemenge eingespart werden.

Ziel der Aluminiumwirtschaft ist eine vollständige Kreislaufwirtschaft, bei der alles im Umlauf befindliche Aluminium immer und immer wieder verwendet werden kann. Doch das ist heute noch nicht möglich, denn Aluminium wird meistens mit Legierungen verwendet. Die beigemischten Bestandteile herauszufiltern, gestaltet sich derzeit noch sehr schwierig.

Deutschland und Österreich sind weltweit führend beim Recyceln von Aluminium. Dazu hat auch beigetragen, dass seit den 1980er Jahren Haushaltsabfälle wie etwa Getränkedosen gesammelt und in den Wiederverwertungskreislauf einbezogen werden.

Schwarze Kunststoffe – lupenrein getrennt

„Ich hätte nicht gedacht, dass Holz ein so innovativer Baustoff geworden ist“, überlegt Mert. Während er im Bus nach Hause sitzt, sieht er sich um. Die Sitzschalen sind aus Kunststoff, die Haltegriffe, die Stangen, die Innenverkleidung, der graue Fußboden und das schwarze Armaturenbrett. Er starrt auf die schwarze Sonnenblende des Fahrers. War da nicht irgendein Problem mit schwarzen Kunststoffen? Plötzlich fällt es ihm wieder ein: Richtig! Die Farbe des Kunststoffes bereitet beim Recycling Schwierigkeiten. Aber warum eigentlich?

Am nächsten Morgen sucht sich Mert beim VDMA einen Recyclingtechnik-Fachmann und fragt ihn nach den schwarzen Kunststoffen. „Die findest du an vielen Stellen“, erklärt ihm der Mitarbeiter, „auch im Auto. Verkleidungen, Abdeckungen, fast jedes Armaturenbrett ist eingeschwärzt, weil es dadurch das Licht schluckt und den Fahrer nicht blendet. Aber auch viele technische Produkte bestehen heute aus schwarzen Kunststoffen. Diese Eigenschaft ist allerdings beim Recycling genau das Problem, denn das Schwarz schluckt nicht nur Licht, es absorbiert auch das optische Signal der klassischen Sortiermaschinen. Schwarze Kunststoffe sind für diese Systeme quasi unsichtbar.“

„Gibt es da keine Lösung?“, fragt Mert. „Jetzt schon. Eines unserer Mitgliedsunternehmen hat eine Technologie entwickelt, die mit einer sehr hohen spektralen Auflösung arbeitet. Dadurch können die unterschiedlichen schwarzen Teilchen erkannt und auch sortiert werden.“ Mert ist beeindruckt. „Wow, damit können auch schwarze Kunststoffe als Sekundärrohstoffe wiederverwendet werden?“ „Genau“, meint der Experte. „Ab jetzt können sie auch besser in die Kreislaufwirtschaft einfließen.“

Die Abfallsortierung funktioniert mittels einer optischen Erkennung über dem Fließband: Eine Lichtquelle beleuchtet die zerkleinerten Kunststoffe, während ein Kamerasystem das reflektierte Licht analysiert und die jeweilige Kunststoffart erkennt. Die Software schickt die Positionsdaten an das Luftdrucksystem am Ende des Förderbandes. Es öffnet in Sekundenbruchteilen das passende Ventil, sodass ein gezielter Druckluftstoß genau das Teil ausscheidet, das aussortiert werden soll.

Um natürliche Ressourcen zu schonen, sollen verarbeitete Materialien am Ende ihres Lebenszyklus idealerweise wiederverwendet werden oder als Sekundärrohstoffe wieder in den Produktionsprozess zurückfließen. Zentral für die Kreislaufwirtschaft ist die fünfstufige Abfallhierarchie:
1. Abfall vermeiden
2. Vorbereitung zur Wiederverwendung von Abfällen
3. Recycling von Abfällen
4. Energetische Verwertung (Verbrennung)
5. Beseitigung von Abfällen (Deponie)

Ein zweites Leben

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Teil unseres Alltags

Wir benutzen täglich die unterschiedlichsten Kunststoffe – von Mikropartikeln in der Kosmetik über Verpackungen bis zu Plastikteilen in Autos und anderen Verkehrsmitteln. Deshalb ist es besonders wichtig, diese Rohstoffe so vollständig wie möglich zu recyceln und in die Kreislaufwirtschaft zurückzuführen.

Stahl – je härter, desto sparsamer

Abends sitzt Mert an seinem Schreibtisch und schreibt auf, was er alles erfahren hat. Wer hätte gedacht, dass Holz so spannend ist – und wie schwierig es sein kann, ein schwarzes Kunststoffstück von anderen zu trennen. Über welchen Rohstoff könnte er noch schreiben? „Gehen Sie einfach hinaus auf die Straße und schauen Sie sich um“, hat sein Professor gesagt. Mert geht ans Fenster und schaut auf die stark befahrene Straße. Und auf einmal weiß er genau, über welchen Rohstoff er noch berichten möchte. Am nächsten Tag sucht er sich beim VDMA einen Experten für die Stahlherstellung und bekommt sofort die Adresse von einem Presswerk, das ihm gerne Auskunft gibt.

„Noch vor 10 bis 15 Jahren bestand eine Fahrzeugkarosserie komplett aus Stahlblech, aus weichen Tiefziehstählen, die sich kalt gut umformen lassen. Um Gewicht zu sparen und damit auch Treibstoff, hat die Branche die warmumformbaren hochfesten Stähle entwickelt“, erklärt der Werksleiter des Presswerks.

Mert ist klar geworden, dass Stahl ein weiterer besonders wichtiger Rohstoff ist. „Und wie geht das?“, fragt er. „Eine bestimmte Stahllegierung wird auf etwa 900 Grad erhitzt und erst dann zum Umformen in eine Presse gegeben. Danach lässt man den Stahl dort auf unter 400 Grad abkühlen. Das Auskühlen aus der Schmelze lässt das Material aushärten. Es bekommt dadurch eine wesentlich höhere Festigkeit. Und je härter der Stahl ist, desto dünner kann man ihn für ein und dieselbe Anwendung machen. Das spart eine Menge an Gewicht“, sagt der Werksleiter.

Dass Gewichtsreduktion ein wichtiges Mittel zur Ressourcenschonung ist, war Mert noch gar nicht bewusst gewesen. Er bedankt sich und macht sich auf den Weg nach Hause.

Stahl – der Rohstoff aus dem Glutofen

Stahl ist ein wichtiger und begehrter Werkstoff. Er lässt sich zu 100 Prozent recyceln und kann extrem effizient verarbeitet werden.

Rohstoffe – der Stoff für eine spannende Hausarbeit

Mert ist mit seinen Recherchen sehr zufrieden. Er hatte nicht erwartet, dass das Thema Rohstoffe so vielfältig ist – und ihm eigentlich auf Schritt und Tritt im alltäglichen Leben begegnet. Es fasziniert ihn, auf welche kreativen und innovativen Lösungen der Maschinenbau kommt, um neue Produktionswege zu ermöglichen und Ressourcen zu schonen. Und es wird ihm immer klarer, wie ungeheuer wichtig das Thema Ressourceneffizienz ist, denn die Weltbevölkerung wird immer größer – die Erde aber nicht.

Mert gestaltet seine Hausarbeit so lebendig wie möglich – mit vielen O-Tönen, Fotos und kleinen Videos –, um auch seinen Kommilitonen bei seinem Referat die Wichtigkeit des Themas bewusst zu machen.

Tief in der Nacht klappt er sein Laptop zu und ist stolz. Er hat nicht nur seine Aufgabe erledigt. Er hat auch noch sehr viel gelernt und konnte sich mit Menschen in interessanten Berufen unterhalten. Mert freut sich darauf, seinen Vortrag zu halten und das neue Wissen mit seinen Kommilitonen zu teilen.

Quelle: Shutterstock/Syda Productions

Nützliche Links zum Thema

Fachverband Abfall- und Recyclingtechnik

Im Fachverband sind ungefähr 80 Hersteller von Verkleinerungs-, Sortier- und Aufbereitungstechnik, Verbrennungs- und Deponiegastechnik sowie Komplettanlagenbauer der Branche vertreten.

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Programm zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz der natürlichen Ressourcen

Deutschland hat sich im Februar 2012 mit der Verabschiedung des Deutschen Ressourceneffizienzprogramms (ProgRess) als einer der ersten Staaten auf Leitideen und Handlungsansätze zum Schutz der natürlichen Ressourcen festgelegt.

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Internationales Expertennetzwerk PalmwoodNet

Das internationale Expertennetzwerk PalmwoodNet erforscht die nachhaltige Nutzung von Ölpalmenholz für Produkte mit hoher Wertschöpfung unter technischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten.

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Ligna TV

Ligna TV ist das Internet-Branchenfernsehen für die Holzbearbeitung. Inhalte sind die klassischen Informationsformate des Fernsehens: Tägliche Nachrichtensendungen, Magazine und Journale, die das Themenspektrum der Messe abdecken und die Vielfalt der Neuheiten zu Trends verdichten.

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Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V.

Die Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. ist die Organisation der in Deutschland tätigen Hersteller von Brettschichtholz (BS-Holz), Balkenschichtholz (Duobalken®, Triobalken®), Brettsperrholz und anderen geklebten Produkten und Verbindungen.

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Die Autoren

Ingo Bette

VDMA-Fachverband Holzbearbeitungsmaschinen

Ingo Bette ist seit 2002 im Fachverband Holzbearbeitungsmaschinen tätig und dort für die Konzeptionierung und Umsetzung von Projekten rund um B2B-Kommunikation sowie für Messeveranstaltungen und -beteiligungen im In- und Ausland zuständig.

Sylvi Claußnitzer

VDMA-Abteilung Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit

Sylvi Claußnitzer ist seit 2014 beim VDMA für die Themengebiete Ressourceneffizienz, Gefahrstoffe und Stoffrecht zuständig.

Sören Grumptmann

VDMA-Fachverband Abfall- und Recyclingtechnik Referent Politik, VDMA-Abteilung Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit Referent Normungspolitik und Akkreditierung

Seit 2015 ist Sören Grumptmann im VDMA für den Fachverband Abfall- und Recyclingtechnik und in der Abteilung Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit tätig. Sein Aufgabengebiet umfasst die Interessenvertretung sowie den Austausch zwischen VDMA und der Politik.