Medizintechnik – Garant für Gesundheit und Lebensqualität

Medizintechnik begleitet uns durch unser ganzes Leben. Von der Geburt bis ins hohe Alter. Die Digitalisierung wird diesen Trend noch weiter verstärken. Einerseits stehen dem Arzt immer mehr Daten zur Verfügung, andererseits sammeln die Patienten selbst immer mehr Informationen über ihre Gesundheit.

Quelle: Shutterstock, everything possible

Kommunikation in der Medizintechnik

Durch die immer stärker in den Alltag von Patienten und Ärzten Einzug haltenden Informations- und Kommunikationstechnologien sowie durch die Digitalisierung verändert sich die Kommunikation in der Medizintechnik sehr stark. Zwei Aspekte werden hier betrachtet. Der eine betrifft das Arzt-Patienten-Gespräch, der andere bessere Diagnose- und Therapiemöglichkeiten durch den Arzt aufgrund von Big Data.

In der Sprechstunde

Ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg einer Behandlung. Es hilft, die richtige Diagnose zu stellen und die passende Therapie zu finden.

Während ein Patient früher Diagnose und Therapie weitgehend unkritisch akzeptieren musste, beeinflusst heute die zunehmende Patientenkompetenz das Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Bemerkt der Patient Symptome, konsultiert er heute das Internet und informiert sich über Ursachen und Risikofaktoren. Ob der Patient durch das Konsultieren von Google bezüglich Krankheitsbildern wirklich informierter ist, darüber sind sich allerdings auch die Ärzte nicht einig. Klar ist aber: Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, deshalb sollte das Ziel aller an der Versorgung Beteiligten ein gut informierter Patient sein.

Eine elektronische Patientenakte kann kein vertrauensvolles Gespräch ersetzen. Quelle: iStock, Squaredpixels
Die Herzfrequenz kann heute jeder mit einem Fitness-Tracker selbst überwachen. Quelle: grinvalds/iStockPhoto

Gleichzeitig bringt der Patient eventuell eigene Daten in das Gespräch mit ein. Beispiele sind die bereits angesprochene Smartphone-App während der Schwangerschaft oder auch die Aufzeichnung von Körperdaten über Wearables wie Fitness-Tracker.

Big Data in der Medizin

Analysen und Algorithmen können Gesundheit und Lebensqualität entscheidend fördern. Es geht um die Verknüpfung riesiger heterogener Datenmengen in verschiedenen Anwendungsszenarien. Ziel von Big-Data-Analysen sind die bessere Nutzung von Ressourcen, kostengünstigere Behandlungen sowie individuell anpassbare Therapien. Auch wenn das Thema in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird, angekommen ist Big Data längst im Alltag der allgemeinen Bevölkerung.

Zum Beispiel versuchte Google durch das Projekt Google Flu Trends, die Ausbreitung von Grippewellen in verschiedenen Ländern anhand der Menge an Suchanfragen rund um Grippesymptome zu prognostizieren. Ein weiteres spannendes Projekt ist die Datenbank Íslendingabók, in der die genealogischen Daten von etwa der Hälfte, der jemals lebenden Isländer, erfasst sind.

Besonders in der Krebsforschung verspricht Big Data einen erheblichen Mehrwert für Ärzte und Patienten. Wenn heute zum Teil drei von vier Chemotherapien nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann Big Data helfen, minutenschnell die passende, patientenspezifische Therapie zu finden.

 

Hallo Welt!

Ein neuer Erdenbürger erblickt das Licht der Welt – und schon wenige Minuten später ist das freudige Ereignis mit drei Daten untermauert: Gewicht, Körperlänge und Kopfumfang. Doch dies sind nicht die ersten Zahlenwerte, mit denen das neue Leben beschrieben und begutachtet wird. Die Datenerfassung beginnt schon lange vor der Geburt – sobald sich das erste eigenständige Leben im Bauch der Mutter zu regen beginnt. Denn per Smartphone und App können die Eltern selbständig mit der Dokumentation der Schwangerschaft beginnen. Sie sammeln Informationen über das Befinden des werdenden Kindes, um sie später gemeinsam mit ihrem Gynäkologen auszuwerten.

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Werdendes Leben

Elle und Fuß – die ersten Maßstäbe der Geschichte

Das Bedürfnis, Mengen, Größen und Zeiteinheiten einzuschätzen, ist fast so alt wie die Menschheit selbst. Im Altertum verwendete man zum Beispiel sogenannte Körpermaße – sie waren die einfachsten Bezugspunkte und als Maßeinheiten quasi am Körper festgewachsen. Üblich waren z. B. Elle und Fuß als Längeneinheiten.

Auch die Längenmaße des Mittelalters lassen sich auf Körpermaße zurückführen. Sie wurden zwar von der zufälligen Körpergröße des jeweiligen Herrschers abgeleitet, konnten aber einfach reproduziert werden und fanden somit allgemeinen Gebrauch.

Die Erfindung des Meters

Ende des 18. Jahrhunderts erwies sich die Vielfalt von verschiedenen Längenmaßen als entscheidendes Hindernis im aufkommenden europäischen Handel. Deshalb beauftragte die französische Nationalversammlung 1790 ein Komitee damit, einen neuen Längenstandard festzulegen, der auf Naturkonstanten zurückgeführt werden konnte. Dabei orientierte man sich am Erdmeridianquadranten, der durch Paris verläuft. Dessen vierzigmillionster Teil sollte die neue Längeneinheit Meter repräsentieren.

Das metrische System

Die neue standardisierte Maßeinheit wurde als Quader aus Platin am 10. Dezember 1799 offiziell als 1 Meter anerkannt und wird seitdem in Paris aufbewahrt. Dieses Ereignis kann als Geburtsstunde des metrischen Systems bezeichnet werden, das sich allerdings in Europa erst sehr zögerlich durchsetzte. Mit der Gründung der Konvention für Maße und Gewichte (Meterkonvention) 1875 wurden durch einen Staatsvertrag zwischen damals 17 Staaten die metrischen Maße eingeführt. Heute gehören der Meterkonvention 55 Staaten an, dazu kommen weitere 33 Länder als assoziierte Mitglieder.

Zeit – seit wann ticken wir richtig?

Das einzige Messinstrument, das die meisten Menschen im täglichen Leben bei sich tragen, ist eine Uhr. Die Festlegung der für das tägliche Leben maßgeblichen Uhrzeit war jahrhundertelang ein Privileg der örtlichen Behörden in Stadt und Land. Heute wacht das Internationale Büro für Maß und Gewicht (IBMG) über die festgelegten Maßeinheiten. Das für den Menschen natürliche Zeitmaß ist der durch die Drehung der Erde um ihre eigene Achse definierte Tag. Er wird, alter kultureller Tradition folgend, in 24 Stunden unterteilt. Die Unterteilung der Stunde in 60 Minuten zu je 60 Sekunden findet sich bereits in Schriften um das Jahr 1000. Bis 1956 diente der 86.400ste Teil des mittleren Sonnentages als die Zeiteinheit Sekunde. Seit 1967 ist die Sekunde das der Schwingungsperiode einer Strahlung, die bei einem ausgewählten Niveauübergang im Cäsiumatom ausgesendet wird.

Die Sanduhr wurde wahrscheinlich im 14. Jahrhundert erfunden und war einer der ersten einfachen Zeitmesser. Quelle: Shutterstock, sergign
Die vier primären Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), Quelle: PTB

Gewicht – in die Waagschale geworfen

Die Masse – zusammen mit der Länge und der Zeit – ist eine der ältesten Messgrößen der Menschheit. Im Handel und allgemeinen Warenaustausch werden seit einigen tausend Jahren Messgeräte – wie zum Beispiel Balkenwaagen und geeignete Gewichtsstücke – zur Bestimmung der Warenmenge verwendet. Die Gewichtsstücke trugen einst häufig Zeichen des Herrschers als Beurkundung ihrer Richtigkeit. 1799 bekam das Kilogramm seinen Namen, abgeleitet vom lateinischen Wort „gramma“, der Bezeichnung für ein kleines Gewicht. Seit 1901 entspricht das Kilogramm der Masse des Internationalen Kilogrammprototyps, der in der Nähe von Paris aufbewahrt wird. Über 80 Kopien des Kilogrammprototyps wurden seit 1889 an die Mitgliedsländer der Meterkonvention verteilt, um nationale Normale damit zu vergleichen.

Dieses Kilogramm ist die deutsche Kopie des „Urkilogramms“ und wird in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig aufbewahrt. Das Original-Kilogramm befindet sich im Internationalen Büro für Maß und Gewicht (IBMG) in Sèvres bei Paris. Quelle: PTB

Start ins Leben

Schon kurz nach der Geburt schläft das Baby zum ersten Mal in einem Kinderbett, das höchsten Sicherheitsstandards entsprechen muss. Diese Kinderbetten werden durch moderne Prüftechnik getestet und mit einem Zertifikat versehen.

Einige Tage später steht die erste Autofahrt an – in einem Kindersitz, der ebenfalls zertifiziert ist. Doch schon bald fängt unser kleiner Beifahrer an, laut zu schreien, weil die letzte Mahlzeit bereits drei Stunden zurückliegt. Denn ein Säugling macht uns noch einen anderen Messwert bewusst, der uns das ganze Leben lang begleitet: die Zeit. Ohne präzise Messtechnik wäre die Taktung unseres Lebens nicht möglich.

Elle und Fuß – die ersten Maßstäbe der Geschichte

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Spritzgießen macht′s möglich

Moderne Fahrradhelme sind leicht und sicher, für jeden erschwinglich und weltweit verfügbar. Das dem so ist, verdanken wir dem Werkzeugbau.

Lebensqualität dank Werkzeugbau

Eine moderne Welt ohne den Werkzeugbau kann man sich kaum vorstellen. Denn von der Möglichkeit, große Serien identischer Teile in einer Form herstellen zu können, profitieren fast alle Bereiche des menschlichen Lebens. Neben Fahrradhelmen wären ohne den Werkzeugbau auch sterile Spritzen für den Großteil der Weltbevölkerung unerschwingliche Luxusobjekte – ebenso wie bezahlbare Möbelserien mit unzähligen identischen Stühlen oder Tischen. Zudem ließe sich kein Motor und keine Uhr mit vertretbarem Aufwand reparieren, weil keine passenden Ersatzteile vorhanden wären.

Mutter der Produkte

Dennoch bleiben die beiden Teilbranchen Werkzeugbau und Formenbau fast immer unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Zu Unrecht! Fast alles, was uns tagtäglich umgibt, wird mit Umformwerkzeugen oder Formen hergestellt. Diese Werkzeuge bestehen überwiegend aus Stahl, werden auf Maschinen betrieben und bilden die komplette äußere Geometrie des Produkts oder einzelne Teile davon ab. Sei es die Zahnbürste, die in einem komplizierten Spritzgießwerkzeug aus einem geschmolzenen Kunststoffgranulat gemeinsam mit Millionen identischer Bürsten ihre Form erhält, oder seien es tausende von identischen Fahrzeugkarosserien, die in Umform- und Stanzwerkzeugen aus einem Blech geformt und ausgestanzt werden. Ob Türgriffe, Fahrradhelme, Löffel, Kugelschreiber, Computertastaturen, Türscharniere, Thermoskannen oder Einmalspritzen – immer stecken Werkzeug- und Formenbau hinter dem Produkt.

Karriere im Werkzeugbau

Es war einmal …

Einer Legende nach soll ein Silberschmied in Sachsen der Erfinder dieser Produktionstechnik gewesen sein. Er war vom sächsischen König für eine Hochzeit mit der Herstellung eines umfangreichen Essbestecks beauftragt worden. Zur damaligen Zeit wurden Messer, Gabeln und Löffel noch handwerklich hergestellt, d. h. einzeln von Hand zugeschnitten und geformt. Diese Methode hätte aber viel mehr Zeit benötigt, als vorhanden war. Leider fand sich wohl auch kein Rumpelstilzchen, das den Auftrag mit Zauberkraft hätte ausführen mögen. Um seinen Hals zu retten, erfand dieser schlaue Mann nicht nur den Vorläufer der industriellen Serienproduktion, sondern legte auch den Grundstein für einige Industriebranchen. Dass diese Legende der Wahrheit entspricht, darf man durchaus bezweifeln. Schließlich wurden schon seit Jahrtausenden Formen aus Sand, Holz oder Stein genutzt. Dennoch beschreibt die Legende einen wichtigen Evolutionsschritt hin zur modernen Serienproduktion mit Umformwerkzeugen und Formen.

Zukunftsgestalter für die Industrie

Massenprodukte müssen wegen des weltweiten Wettbewerbs immer schneller und kostengünstiger hergestellt werden. Deshalb entwickelt der deutsche Werkzeugbau ständig noch schnellere Werkzeuge und nutzt innovative Herstellungsmethoden. Sogar der 3D-Druck wird bereits häufig für die Herstellung von Einsätzen mit konturnaher Kühlung verwendet. Im Zuge dessen wandeln sich auch die überwiegend familiengeführten Unternehmen, die Werkzeuge herstellen, zunehmend in Richtung Industrie 4.0, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Automatisierte Fertigungszellen mit mehreren verketteten Fertigungsmaschinen findet man immer öfter in den Unternehmen. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Sie sind in zunehmendem Maße nicht nur Werkzeug- und Produktionsspezialisten, sondern beherrschen zusätzlich das Zusammenspiel unterschiedlichster Fertigungstechnologien im eigenen Unternehmen. Die Branche sucht ständig kluge junge Köpfe und bietet sichere Arbeitsplätze.

Werkzeugbau – spannende Aufgaben und neueste Technologien

Vielfältig, abwechslungsreich und immer mit interessanten Aufgaben verbunden – mit einer Ausbildung im Werkzeugbau ergreift man einen guten und zukunftssicheren Beruf. Vier Auszubildende stellen hier ihren Arbeitsbereich vor.

 

 

Kinder wollen toben und spielen

Die Matheaufgaben rasch gelöst, das Heft in den Schulranzen geworfen und … endlich frei! Schnell mit den Freunden übers Smartphone verabredet, Helm auf und ab mit dem Mountainbike über Stock und Stein.

Kindheit und Jugend bedeuten, seinen Körper kennen und beherrschen zu lernen, Grenzen der Belastbarkeit auszutesten und die Lebensenergie auszutoben. Protektoren sowie leichte und trotzdem sichere spritzgegossene Helme helfen dabei, dass der Spaß nicht zu kurz kommt und die Sicherheit dennoch gewährleistet ist.

Spritzgießen macht′s möglich

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Ein Fahrradhelm kann die Verletzungsgefahr erheblich verringern. Quelle: iStock/ vgajic
Diabetesbehandlungen sind heute kinderleicht. Quelle: Shutterstock/ Robert Przybysz

Die neue Freiheit für Diabetiker

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Gegenwärtig sind mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren betroffen. Die beste therapeutische Maßnahme für eine Langzeitbehandlung ist die Insulintherapie. Die heutige Behandlung erfolgt immer öfter mit einer Insulinpumpe (etwa 10.000 der betroffenen Kinder und Jugendlichen werden mit einer solchen Pumpe behandelt), die außerhalb des Körpers getragen wird. Die Anbindung an den Körper erfolgt über einen dünnen Schlauch und eine Stahl- oder Teflonkanüle, die im Unterhautfettgewebe, meist am Bauch, liegt.

Insulinpumpen – so klein wie ein Handy

Diese Art der Insulinversorgung ist insbesondere aufgrund der immer kleiner werdenden Bauteile möglich. Somit werden auch die Insulinpumpen immer kleiner, sie sind heutzutage nicht größer als ein Handy und nicht schwerer als eine Tafel Schokolade. Die Pumpe gibt kontinuierlich eine fest einprogrammierte Rate Insulin an den Patienten ab. Bei Bedarf kann der Patient per Knopfdruck die Insulindosis erhöhen. Durch die Insulinpumpen kann die Lebensqualität der Patienten deutlich gesteigert werden, weil sie ihren Alltag wesentlich freier gestalten können. Ebenso ist eine stabilere Einstellung des Blutzuckers möglich.

2016 wurden ungefähr 10.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland mit einer Insulinpumpe behandelt. Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft.

Miniaturisierung im Trend – Mikropumpen

Gerade für die Dosierung kleinster Mengen – wie sie mit Patchpumpen bei der Therapie von Diabetes, aber auch bei der Schmerzbehandlung oder bei der Hormontherapie nötig ist – können zukünftig auch Silizium-Mikropumpen eingesetzt werden. So entwickelte die Fraunhofer EMFT (Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT) eine 5 x 5 x 0,6 mm3 große Silizium-Mikropumpe, die derzeit die kleinste Pumpe der Welt ist. Diese Mikropumpen erfüllen die benötigten hohen Zuverlässigkeits- und Sicherheitsanforderungen für Dosiersysteme in der Medizintechnik. So besitzen sie beispielsweise einen selbstsperrenden „Free-Flow-Schutz“, der Fehldosierungen ausschließt, selbst wenn Überdruck im Medikamentenreservoir erzeugt wird.

Silizium-Mikropumpe, 5 x 5 mm, Quelle: Fraunhofer EMFT

Weitere Anwendungen von Mikropumpen

Nicht nur bei Insulinpumpen ist der Trend zur Miniaturisierung zu erkennen. Auch andere Bereiche der Medizintechnik, bei denen es auf hochgenaue und feine Dosierung ankommt, folgen diesem Trend. So können Mikropumpen zum Beispiel bei Infusionssystemen, bei der Schmerztherapie oder bei Implantaten zur Medikamentendosierung zum Einsatz kommen. Getreu dem Motto „Kleiner, leichter und mobiler“ bringen Mikropumpen Flüssigkeiten und Gase in verschiedenen Anwendungen in Bewegung.

 

Früher konnten nur kerngesunde Kinder herumtollen und das Kindsein genießen. Kinder mit einer schweren oder auch chronischen Krankheiten waren häufig von der normalen Entwicklung ausgegrenzt. Doch heute können dank der modernen Medizin auch Kinder mit gravierenden Erkrankungen am Leben fast uneingeschränkt teilnehmen.

So muss Diabetes im Kindesalter zum Beispiel kein Handicap mehr sein. Der Blutzuckerspiegel kann heutzutage durch eine kleine Insulinpumpe permanent kontrolliert und die jeweils richtige Menge Insulin freigesetzt werden.

Die neue Freiheit für Diabetiker

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„Die fortschreitende Miniaturisierung von Mikropumpen ermöglicht auch in der Medizintechnik neue Anwendungen. Durch die Platzeinsparung bzw. den niedrigeren Preis sind sowohl Disposables möglich als auch kleinere Patchpumpen oder vielleicht sogar implantierbare Pumpen in der Zukunft.“

Dr. Axel WilleFraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT, Mikrodosierung

Smarte Textilien

Stoffe mit intelligenten Funktionen nennt man smarte Textilien: Sie werden „smart“ durch die Integration elektronischer und sensorischer Funktionen, mit denen sie auf Umwelteinflüsse reagieren oder mit ihrer Umwelt interagieren können. Sensoren oder Leiterplatten werden auf Textilien aufgebracht, beispielsweise aufgestickt, oder es werden Fasern oder textile Flächengebilde verarbeitet, die bereits über sensorische oder elektrisch leitfähige Eigenschaften verfügen. Intelligente Textilien wärmen/heizen, leuchten, schützen, erzeugen Energie, kommunizieren.

In Smarten Textilien befinden sich Technologien, die man bisher nur in der Automobil- oder Raumfahrtindustrie benutzt hat. Quelle: Messe Frankfurt

Intelligente Bekleidung

Kleidungsstücke mit Sensoren sind, zumindest in Nischenbereichen, bereits auf dem Markt: T-Shirts und Hemden, die Puls, Atmung und Körperbewegung messen, beheizbare Unterwäsche, beheizbare Jacken mit Kommunikations- und Beleuchtungssystemen. Es gibt sogar Einlegesohlen mit GPS-Ortungsgeräten oder smarte Schuhe, die sich per App öffnen, schließen und beheizen lassen und gleichzeitig über Sensoren die Schritte zählen sowie den Kalorienverbrauch berechnen. Im medizinischen Bereich leisten smarte Textilien bereits gute Dienste – wie beispielsweise mit einem sensorischen Strumpf für Diabetiker, entwickelt vom Textilforschungsinstitut Denkendorf, der die Hautdurchblutung misst und den Träger mittels Vibration darauf hinweist, wann er sich für eine bessere Durchblutung bewegen sollte.

Viele der smarten Textilprodukte befinden sich jedoch noch im Forschungsstadium. Doch gerade der Sport-, der Gesundheits- und der Medizinbereich sind vielversprechende Zukunftsmärkte für die smarten Textilien, ob für die präventive Überwachung von Atem- und Herzfrequenz oder auch für das Monitoring von Wundheilungsprozessen.

Elektrisch leitende und waschbare Fäden machen unsere Kleidung zu tragbaren Computern. Vielleicht ersetzt die Smarte Kleidung sogar bald das Smartphone. Quelle: Messe Frankfurt

Beruf oder Berufung?

In Physik stets unter den Besten und will immer alles ganz genau wissen! Dies sind Begabungen, die direkt in einen technischen Beruf führen können. Zusammen mit der Begeisterung für Technik kann aus dem Beruf schnell eine Berufung werden. Orientierung bietet die Online-Beratungsseite des VDMA: talentmaschine.de – zum Beispiel wird hier die Ausbildung zum Mechatroniker bei einem Maschinenbauunternehmen vorgestellt. Dann folgen das Studium zum Maschinenbauingenieur, Auslandseinsätze und Karriere in der Industrie mit dem großen Ziel, technische Lösungen für Menschen zu erfinden und weiterzuentwickeln.

Damit aus einem interessanten Auslandssemester oder einem beruflichen Einsatz – zum Beispiel in einem Malaria-Risikogebiet – keine lebenslange Erkrankung resultiert, gibt es zukunftsweisende Textilien, die mit insektenabweisenden Imprägnierungen ausgestattet sind.

Auch in anderen Berufszweigen kommen neue Technologien zum Einsatz. In der Schutzkleidung von Feuerwehrleuten überwachen zum Beispiel integrierte Sensoren die Vitalfunktionen, um die Einsatzkräfte zu schützen.

Smarte Textilien

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Malaria wird heute mit insektizidbehandelten Moskitonetzen bekämpft. Quelle: Shutterstock/ frank60
Smarte Textilien werden in allen Bereichen eingesetzt – von der Berufsbekleidung über die Modewelt bis zum Sportbereich. Quelle: Messe Frankfurt

Ausgewählte Zahlen rund um die Medizintechnik

Wie groß ist die Branche eigentlich und wie innovativ sind ihre Unternehmen? Hier finden Sie einige interessante und vielleicht verblüffende Zahlen aus der Welt der Medizintechnik.

6,8

Millionen

Menschen arbeiten in Deutschland in der Gesundheitswirtschaft.
Quelle: BMWi

28,4

Milliarden Euro

Umsatz machte die Medizintechnikbranche 2015 in Deutschland.
Quelle: BVMed

9%

ihres Umsatzes

stecken Unternehmen aus der Medizintechnik in Forschung und Entwicklung.
Quelle: BVMed

1958

Jahr

wurde einem Menschen der erste Herzschrittmacher implantiert.

51.451

künstliche Hüft- und Kniegelenke

wurden 2013 in Deutschland operativ eingesetzt.
Quelle: Statistisches Bundesamt

94%

der Medizintechnikunternehmen

gehören dem Mittelstand an.
Quelle: BVMed

Ruhestand mit Neustart

Die Kinder sind aus dem Haus; im Beruf ergibt sich die Möglichkeit, nun kürzerzutreten und die Work-Life-Balance neu zu justieren. Der Ruhestand kommt in Sicht, und lang gehegte Pläne können realisiert werden: vielleicht nach Neuseeland, Australien oder Südamerika reisen, das Segeln lernen oder Touren in den Alpen machen. Die Operation am Kniegelenk und auch die anschließende Reha sind erfolgreich verlaufen. Voller Tatendrang kann es jetzt wieder losgehen!

Dank moderner Medizin bleiben die Menschen immer länger fit. Quelle: Fotolia/ Patrizia Tilly
Hohe Lebensqualität auch im Rentenalter. Quelle: Shutterstock/ Daxiao Productions

Heute leben Senioren aktiver und gesünder als jemals zuvor: Eine ausgewogene Ernährung, sportliche Fitness und eine optimale medizinische Versorgung lassen das Rentenalter für viele zu einer ähnlich aktiven Phase werden, wie es ihr Arbeitsleben war.

Medizinisch fit fürs Alter

Mit der steigenden Anzahl von älteren Menschen wird die Zielgruppe der Senioren immer interessanter und bildet die Basis für zahlreiche Innovationen. Die erste Lesebrille kommt spätestens mit Anfang 50, die erste Zahnkrone oft sogar schon früher. Zahnimplantate, vor allem aber künstliche Gelenke sind nicht nur der Beginn einer wiedergewonnenen Lebensqualität für die Patienten, sondern auch extrem belastbare Hightech-Konstruktionen. Ohne modernste Produktionstechnik blieben beispielsweise Zahnprothesen in der modernen Medizin reines Wunschdenken. Schließlich müssen diese in riesigen Mengen unter penibelster Sauberkeit aus körperfreundlichen, aber schwierig zu bearbeitenden Metalllegierungen hergestellt werden und für möglichst viele Menschen erschwinglich sein.

Gesundheit aus dem Drucker

„Der 3D-Druck findet bereits heute Anwendung bei sogenannten patientenspezifischen Implantaten. Zukünftig wird dies noch deutlich größere Verbreitung finden – und gleichzeitig wird der 3D-Druck die Herstellung komplexerer Architektur ermöglichen, z. B. im Bereich des Bypasses.“

Prof. Dr. Dr. Bilal Al-NawasUniversitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Mehr Gesundheit, weniger Operationen

Nicht nur dass Menschen aller Altersgruppen nach medizinischen Eingriffen schon heute schneller wieder fit und belastbar sind, als man es vor einigen Jahren überhaupt für möglich gehalten hätte. Zukünftig werden nach Unfällen auch keine Nachoperationen mehr notwendig sein, weil Magnesiumschrauben eingesetzt werden, die vom Knochen in körpereigenes Material umgewandelt werden können. Die Zukunft beginnt heute …

 

Autoren des Beitrags

Hans-Günter Heil

VDMA Fachverband Mess- und Prüftechnik

Seit 1992 arbeitet Hans-Günter Heil im VDMA als Referent in verschiedenen Fachverbänden. Seit 2012 ist er im neu gegründeten Fachverband Mess- und Prüftechnik tätig. Er betreut dort in den Fachabteilungen Längenmesstechnik und Prüftechnik Hersteller zu Themen aus Technik und Wirtschaft.

Niklas Kuczaty

Referent Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik

Seit 2012 beschäftigt sich Niklas Kuczaty im VDMA mit dem Thema Medizintechnik. Innerhalb der 2014 gegründeten Arbeitsgemeinschaft kümmert er sich um die Themen Vertrieb, Messen und Neue Märkte.

Veronika März

Referentin VDMA Textile Care, Fabric and Leather Technologies

Veronika März ist seit 2011 im VDMA Textile Care, Fabric and Leather Technologies tätig und insbesondere zuständig für die Bereiche Märkte und Messen.

Johanna Schreiner

Referentin VDMA Micro Technologies

Seit 2016 bearbeitet Johanna Schreiner im VDMA das Thema Micro Technologies. Auf ihrer Agenda stehen insbesondere die Miniaturisierung, die Mikrofluidik, Mikroproduktion und Mikrokomponenten.

Alfred Graf Zedtwitz

Referent für Kommunikation, Wirtschaft und Werkzeugbau

Er ist seit 2001 verantwortlich für die Bereiche Werkzeugbau, Kommunikation und Wirtschaft im Fachverband Präzisionswerkzeuge. Die Mitglieder dieses Fachverbandes entwickeln und produzieren Maschinenwerkzeuge zur Metallbe- und Kunststoffverarbeitung.

Interessante Links

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

Kein wissenschaftliches Experiment, kein industrieller Prozess und kein Waren- und Güterverkehr kommt ohne Quantifizierung aus. Die Aufgabe der PTB ist es, als oberstes nationales Metrologieinstitut für eine zuverlässige und fortschrittliche messtechnische Infrastruktur zu sorgen.

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Mikropumpen

Die Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT widmet sich dem Thema Mikropumpen und Mikrodosiersysteme.

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Projekt „Technik zum Menschen bringen“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung setzt sich in diesem Projekt dafür ein, das Zusammenspiel von Mensch und Technik weiter zu optimieren.

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Internationales Einheitensystem

Das Internationale Büro für Maß und Gewicht (Bureau International des Poids et Mesures – BIPM) ist eine internationale Organisation mit der Aufgabe, ein weltweit einheitliches und eindeutiges System von Maßen auf Basis des Internationalen Einheitensystems zur Verfügung zu stellen.

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E-Health-Gesetz

Informationen rund um die politischen Maßnahmen, die eine digitale Vernetzung zwischen Praxen und Krankenhäusern fördern. Damit sollen Patientendaten sicherer zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt soll zudem die Patientensicherheit erhöht werden.

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